Das Ende

„ENDE“ – „The End“ – „Fin“ – „Il FINITO“ – „KONEC“ waren früher regelmäßig auf der Kinoleinwand zu lesen. Mit diesem Schriftzug wurde der Zuschauer aus der Fiktion, sozusagen per Ansage oder einem beleuchtetem AUSGANG gleich, wieder in die Realität entlassen. Ein einziges Bild oder eine längere Einstellung, in die der Endeschriftzug eingeblendet wurde, markierten diesen Übergang: Fiat lux oder das Ende des kalkulierten Realitätsverlusts. Nicht selten ein Hard-Cut, wenn die Handlung allzu abrupt endete. Schließlich hat man oft nur allzu gern wissen wollen, wie es DANACH weiter ging: eben Highnoon oder Honeymoon. (Erst viel später wurde dieses Bedürfnis mit dem Sequel, der regelmäßig nicht enden wollenden Fortsetzung von Erstlingserfolgen befriedigt).
Aber irgendwann wurde die typografische Schlussklappe nicht mehr geschlagen. Auch wenn das vielfach prophezeite Ende des Kinos nicht eingetreten ist, das verschriftlichte Film-Ende hat längst aufgehört zu existieren. Geblieben sind flüchtige Signets finaler Zuspitzung von mitunter wahrer Schönheit. Geschnittene Schrift für geschnittenes Licht; nicht selten von Großmeistern des Grafikdesigns für Grand Seigneurs des Kinos – ges(ch)ehen durch Saul Bass für „North by Northwest“ von Alfred Hitchcock.
Mit der Serie „Das Ende“ rolle ich ein Stück der Film(enden)geschichte – wenn man so will – von hinten auf, friere jene flüchtigen Szenen ein und schneide sie neu: schwarz auf weiß als Linolschnitte.

100 Stück, Vielfalt in Form, Sprache und Komposition. Vielfalt aber auch in der Dimension des Verlusts – auch in einer weiteren Bedeutung. Das „Ende“ als Fanal eines zuende gegangenen (Zeit-)„Streifens“, an Themen, an Möglichkeiten des Lebens in einer zunehmend existentiell bedrohten Umwelt. Die Grafikserie „Das Ende“ bedient sich daher retrospektiv der Filmenden, um ursprünglich wie diese, (jedenfalls) wach zu machen und anschließend das Licht angehen zu lassen. Denn einen drohenden Verlust kann man – meine ich – am besten anhand eines bereits eingetretenen deutlich machen.

 

Start:
The explicit end of fiction
mit dem Ende beginnen
mit Generationen ausgestorbener Enden
festhalten, ausschneiden –
aneinanderschneiden
:
the giant-ever-ending-end
nor happy or sad
frozen and melting at once
sehen was wir verlieren
wenn
ENDE:
The End.

 

>>“Das Ende“ Nr. 1–25
>>“Das Ende“ Nr.26–50
>>“Das Ende“ Nr.51–75
>>“Das Ende“ Nr.76–100
>>Extra Endings



Kommentare sind geschlossen.